Ein
weiterer großer Unterschied im Vergleich zu anderen christlichen Kirchen
zeigt sich bei den Katharern in der Deutung und Gewichtung der Bücher der
Bibel. Während andere christliche Kirchen das Alte Testament ohne Wenn und
Aber anerkennen, lehnen die Katharer den Gott des Alten Testaments als [bösen]
Schöpfer dieser [bösen] Welt ab. Das Alte Testament sei ein Zeugnis
für die Herrschaft Satans auf Erden. Der gute Gott ist nur an zwei Stellen
zu finden: Im guten Teil des Menschen, seiner Seele und in Christus. Die einzige
Möglichkeit des Menschen, wieder zu Gott zurückzufinden, liegt in der
totalen Hinwendung zu Christus, besiegelt durch eine rituelle Handlung, die durch
einen parfait durchgeführt werden muß. Da nicht jeder dazu willens
und fähig war, hatte man eine Zweiklassengesellschaft. Der katharische Klerus,
die sogenannten Parfaits, die der strengen Befolgung der noch zu beschreibenden
Grundsätze verpflichtet war und die einfachen Gläubigen "Credentes.
Diese folgten zwar dem selben Glauben, lebten jedoch ähnlich wie ihre katholischen
Nachbarn, das heisst, sie assen Fleisch, bekamen Kinder und waren irdischen Freuden
nicht eben abgetan und so sichere Beute für Satan. Jeder gläubige Katharer
hatte allerdings noch auf dem Sterbebett die Chance, zu einem Parfait zu werden.
Eine weitere Differenzierung zu anderen Christen fand in der Wertung des Johannes-Evangeliums statt, das Vorrang vor allen anderen biblischen Büchern gehabt hatte. Einer der Katharer-Mythen besagt, dass alle parfaits stets das "wahre" Johannes-Evangelium bei sich hatten. Ob sich das katharische Johannes-Evangelium von anderen unterschied, ist heute nur schwer auszumachen. Sicher ist allerdings, daß es in einer okzitanischen Übersetzung vorlag, also in der Landessprache der Südfranzosen gepredigt wurde. Ein weiterer Punkt, der die Katharer bei der Bevölkerung beliebt machte, denn der katholische Klerus hielt damals am Lateinischen fest, was vom gemeinen Volke niemand verstand. Weiterhin sahen die Katharer das Vaterunser als das einzige vom Herrn gelehrte und somit allein gültige Gebet.
Sieht man die Regeln, denen die Katharer zu folgen hatten, so mag ein jeder für sich selbst beurteilen, wo biblisches Gedankengut verinnerlicht wurde oder anderes:
Die einfachen Gläubigen hatten im wesentlichen die Pflicht,
Die katharischen Priester waren sich also durchaus der Tatsache bewusst, dass die Vorschriften eines guten Christen für den normal-gläubigen nicht oder nur kaum zu erfüllen waren. Durch den Kunstgriff der Priesterweihe auf dem Sterbebett konnte jeder zu einem endgültig guten Christen werden - denn ein Verstoß gegen die beinharten Pflichten der Priesterkaste war dann nicht mehr m öglich.
Während die römische Kirche in einer Sprache predigte, die von den einfachen Menschen nicht verstanden wurde, schauten die Katharer ihren Leuten dreihundert Jahre vor Luther bereits "auf's Maul". So kam es Jahrhunderte vor der Reformation zu einer Demokratisierung des Glaubens, die der römischen Kirche, die ihre Geheimnisse eifersüchtig hütete, nicht recht sein konnte. Ganz bewusst enthielt man bis in die Neuzeit allen Nichtklerikern die Bibel vor. So sollte auch die Deutungshoheit in der Hand der Kirche bleiben.
Allerdings: die oben geschilderten Regeln machten es den Inquisitoren leicht, einen Katharer zu demaskieren: Er brauchte nur aufgefordert zu werden, z.B. auf die Jungfrau Maria schwören, im mittelalterlichen Rechtsverständnis eine bedeutende Bekräftigung. Ein echter Katharer konnte sich hier nur strikt weigern, da eine irdische Mutter des göttlichen Prinzips Christus genauso wenig Sinn machte, wie das Schwören auf sie. Ein weiterer beliebter Test war das Vorsetzen von Fleisch. Ein Katharerparfait konnte sich auch hier nur verweigern.
Der kleine Unterschied
Es gab noch einen theologisch äusserst bedeutsamen Unterschied zwischen katharischen Parfaits, Parfaites und den katholischen Priestern: Der katholische Priester blieb ein diesseitiger (und sündhafter) Mensch und diente als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Der katharische Priester war jedoch bereits Bestandteil der anderen , geistigen Welt und fernab der Sünde. Deshalb fiel es ihm auch vergleichsweise leicht, freudig in den grausamen Flammentod zu gehen und deswegen auch der enorme Respekt bei der Ehrenbezeugung durch den einfachen gläubigen Katharer.
Weiter geht es mit Ausprägung
im Leben
katahrer.de | email: info@katharer.de | Gestaltung und Konzeption von itspro