Dualismus

Das Chateau in Montaillou - weltbekannt durch die präzisen Lebensbilder, die durch die Bürokratie der mittelalterlichen Inquisition erstellt wurdenEtwas so Komplexes wie den Dualismus hier zu beschreiben, muß zwangsläufig viele Fragen offen lassen. Dennoch ist er für das Verständnis der katharischen Religion so wesentlich, daß zumindest kurz darauf eingegangen werden sollte. Dualist zu sein heißt, daß man zwei höchste Prinzipien (oder Götter) als gleichberechtigt existent anerkennt. Man kann die ganze christliche Religion als dualistisch ansehen, da auch hier Gegensatzpaare auftreten, die grundlegend sind, z.B. Gott und Satan, Gut und Böse. Der dualistische Gedanke als solcher trat jedoch schon lange vor der irdischen Existenz Jesu auf, z.B. bei Zarathustra, Origenes, Plato... Kurioserweise ist der Dualismus auch in einer monotheistischen Umgebung ("Es gibt nur einen Gott") notwendig, da sonst keine Entwicklungsmöglichkeiten dieser Welt bestehen. Das böse Prinzip wird von Gott dadurch getrennt, dass es nur gottähnlich scheint , also dämonisiert wird. Weiterhin scheint es in der Logik des Dualismus zu liegen, gewaltsam und brachial in die Welt eingedrungen zu sein (z.B. der Fall des Engelsführers Luzifer).

Dualismus als Religion besagt, daß es einen guten Gott gibt, der eine ewige und geistige Wirklichkeit als Königreich hat, die nichts mit unserer sichtbaren und vergänglichen Welt zu tun hat und einen bösen Gott, der für die an die Materie gebundene Schöpfung zuständig ist. Die Seelen lebten in ihrem Ursprung in diesem Königreich des guten Gottes, welches Johannes als "neue Welt" in seinem Evangelium und in der Apokalypse bezeichnet. Die sichtbare, materielle Welt hingegen ist vor allem durch eines gekennzeichnet: Verfall. Nichts existiert ewig, alles ist zeitlich begrenzt. Tod, Schuld, Unglück und das unendliche Leiden der Welt sind an Materie gebunden. Und tatsächlich, gerade im Johannes-Evangelium finden sich Beweise oder zumindest Hinweise zu dieser Erkenntnis. Die beiden Reiche sind jedoch nicht gleich beständig - nur das Reich Gottes ist ewig und vollkommen. Diese Vollkommenheit wird am deutlichsten manifestiert durch das Wort "Liebe". Daher kann Paulus im Brief an die Korinther sagen: "...ohne die Liebe wäre ich nichts ..." - genauso "Nichts", wie diese sichtbare, materielle Welt für den strenggläubigen Katharer ein "Nichts" ist. Innerhalb der zeitlich begrenzt existierenden Hülle des Menschen ist allerdings noch etwas übrig von dieser Welt des guten Gottes: die Seele, die etwas Wesentliches, Bleibendes und prinzipiell Gutes ist, das nicht aus dieser bösen Welt stammt. Die im irdischen Dasein gefangene Seele wieder zu Gott zu führen, ist der Sinn der katharischen Existenz, vollendet durch das "Consolamentum". Ein Ritual, das nur durch einen parfait durchgeführt werden konnte. Es scheint Katharer gegeben zu haben, die an Seelenwanderung glaubten und davon überzeugt waren, dass sich die menschliche Seele wandernd auch in Tieren wiederfinden konnte, Ähnlichkeiten mit dem östlichen Karma-Glauben sind möglicherweise nicht zufällig. Leider ist die Quellenlage zum Thema Katharer und Wiedergeburt sehr dünn, so daß nur von Theorien ausgegangen werden kann.

Der fundamentale Gegensatz: Guter Teil des Menschen [Seele] muss das Schlechte [die Welt] überwinden - stellte zwar auch schon eine Basis für das ganze sich entwickelnde Christentum dar, die radikalste Ausprägung kam jedoch über die Bogomilen hin zu den Katharern.

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