Ausprägung im Leben

Die église cathare - Die Katharer kannten zwar keine Kirchen aber die Höhlen im Ariègetal wurden zu spirituellen ZentrenDie parfaits ließen Worten Taten folgen und verbrachten ihr Leben in totaler Armut, Demut und Keuschheit. Diesen ungeheuren Anspruch zu verwirklichen, war damals nicht weniger hart als heute. Vor allem, wenn man bedenkt, daß das Kernland der Katharer in Südfrankreich lag und die Hoch-Zeit des Katharismus (etwa Mitte des 12. bis in das 14. Jhdt.) mit der deutlichsten Ausprägung der höfischen Minne zusammenfällt. Sicher ist der Verdacht nicht ganz unbegründet, dass die Minne, also die überhöhte und idealisierte, nichtkörperliche Liebe von Mann zu Frau mit dem Erstarken des Katharismus zusammenhängt. Manche Theorien gehen sogar soweit, dass die "Frau", die in der Minne besungen wurde, in Wahrheit die katharische Kirche darstellte und die Troubadoure Propagandisten waren, die sich in den Dienst dieser Kirche stellten. Die von Hof zu Hof ziehenden Troubadoure waren beim Adel als Nachrichtenquelle äusserst beliebt und natürlich konnten so neben Gerüchten und Unterhaltungsgeschichten auch Lehren ganz anderer Art verbreitet werden. Man kann sich jedoch nur schwer vorstellen, inwieweit die Kernsätze katharischen Glaubens und Lebens von der recht handfest mittelalterlichen Gesellschaft ernstgenommen werden konnten und die überlieferten Geschichten der Troubadoure lassen auch einen Hang zur körperlichen Liebe zu. Die historischen Quellen sind sich allerdings einig, daß die Katharer, zumindest im Süden Frankreichs ungeheuer beliebt und gerade an den okzitanischen Höfen gerne gesehen waren. Das lag zum großen Teil daran, daß die katholische Konkurrenz auf Erden im Gegensatz zu den von ihr gepredigten Glaubensgrundsätzen lebte und somit häufig Gegenstand allgemeiner Verachtung waren. Die Katharer distanzierten sich von dem bis dahin gültigen Begriff der Kirche und deren Hierarchien. Eine völlige Ablehnung Roms und der Päpste, die man als Personifizierung Satans auf Erden ansah, war kennzeichnend. Außerhalb Okzitaniens und Nord-Italien hatten es die Katharer schwerer.

 

Detailaufnahme Externsteine "Relief" Quelle: WikipediaDie Katharer in Deutschland

Obwohl in Köln bereits Mitte des 12. Jahrhunderts von einer Katharerschule berichtet wird und aus einigen Städten Katharerhinrichtungen (Goslar) bekannt sind, ist ein echter Nachweis heutzutage nur sehr schwer zu bringen. Zwei weitere Orte, von denen Einige annehmen, daß sie mit den Katharern zusammenhängen und heute noch erhalten sind: ein eigenartiges Wandrelief an den Externsteinen in Westfalen (nebenstehendes Bild, Quelle: Wikipedia) und die Drüggelter Kapelle im Sauerland. Ob hier allerdings mehr der Wunsch der modernen Entdecker/Interpreten maßgeblich war oder es sich tatsächlich um katharische Orte handelt, ist kaum zu klären. Immerhin gibt es eine Stadt, Runkel an der Lahn, die die Katharer im Namen führt, denn Runkeler war in Deutschland eine gängige Bezeichung für diese.

 

Katharer, Toleranz und Gleichberechtigung

Sicher ist dem Einfluß der Katharer zu verdanken, daß so im Herzen Europas eine geradezu aufgeklärt anmutende Toleranz auch gegenüber anderen Religionen zu finden war. Toleranz und Aufgeschlossenheit der okzitanischen Herrscher ließen im Gegensatz zu den sonst in Europa anzutreffenden repressiven Kulturen Wirtschaft, Kultur und Wissen im ohnehin reich gesegneten Süden Frankreichs wachsen und gedeihen. Ein bemerkenswerter Zug, gerade in heutigen Zeiten, ist die teilweise formale Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Stande der parfaits. Priesterliche Frauen waren natürlich der katholischen Kirche damals noch mehr ein Greuel als heute.

Es gibt Wissenschaftler(innen), die versuchen, den mittelalterlichen Katharern eine feministische Komponente zuzusprechen. Eine amüsante Vorstellung, bedenkt man, daß die Katharer naturgemäß ein mittelalterliches und patriarchalisches Frauenbild hatten - zumindest nach heutigen Massstäben. So ist bis heute keine katharische Bischöfin bekannt und auch bei den Parfaites, den weiblichen Priestern, sucht man bei Disputen oder öffentlichen Predigten vergeblich nach Frauennamen. So stand den Parfaites zwar der Weg in die Priesterkaste offen - die Hosen an hatten jedoch weiterhin die Männer. Möglicherweise gibt es eine Ausnahme: Esclarmonde von Foix, über die man nicht viel weiss, die aber einen erheblichen Einfluß gehabt zu haben scheint. Es ist nicht ganz klar, ob dieser Einfluß in ihrer Stellung im südfranzösischen Hochadel oder in der geistlichen Hierarchie der Parfaites beruhte, ihr Einfluss scheint jedoch sehr gross gewesen zu sein.

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