Wer waren die Katharer?

Katharer werden  durch die Inquisition aus der Stadt Cacassonne vertriebenDas "waren" ist hier bewußt kursiv gesetzt, denn strenggenommen kann es heute keine Katharer mehr geben.

Im Jahre 1321 wurde der letzte parfait (ursprünglich katholische Spottbezeichnung für die katharischen Priester) in die Falle der damals eigens für die Katharer erfundenen Inquisition gelockt und verbrannt. Nach der Logik der Katharer, der zufolge nur ein parfait (und zwar ein parfait, der sich dauerhaft als würdig erweist) fähig ist, Glaubende zur Erlösung zu führen, konnte dies seitdem nicht mehr geschehen. Ziemlich lebendig scheinen im Gegensatz dazu die unter http://www.cathar.net zu findenden modernen Katharer zu sein, die in Nordamerika bis in unsere Tage aktiv sind. Doch fangen wir von vorne an.

Der Name "Katharer" lässt sich wahrscheinlich zurückführen auf das griechische"Katharos" = "Die Reinen". Eine andere Deutung sieht die Herkunft im hochmittelalterlichen deutschen "Katte" (Katze) , was ein Hinweis auf die angebliche Ketzerpraxis ist, Katzen in Ritualen auf das Hinterteil zu küssen. Diese Verleumdung wurde von der katholischen Kirche grundsätzlich gerne gegen in Ungnade Gefallene verwendet, etwas später z.B. auch gegen die Templer und weitere Ketzergruppen, die es zu denunzieren galt. Das abergläubische Volk ließ sich über derartige Gerüchte gut steuern. Später wurde dann daraus das deutsche Wort "Ketzer". Die Katharer selbst bezeichneten sich als "Gute Christen", also Bons-òmes (gute Männer), bzw. bonas-femnas (gute Frauen) oder amics de Diu ("Freunde Gottes" - die occ. Übersetzung von "Bogomilen", den religiösen Ahnen der Katharer)

Versucht man, dem Phänomen der Katharer auf den Grund zu gehen, sieht man sich Problemen gegenüber:

Es sind kaum Primärquellen vorhanden. Die Inquisition hat über die Jahrhunderte ganze Arbeit geleistet und alles vernichtet oder versteckt, was ihr unter die Finger kam. So sind bis heute nur eine Handvoll Dokumente der Katharer selbst verfügbar. Kurioserweise müssen also deren ärgste Feinde als Zeugen herhalten: Die Inquisitionsgerichte, die penibel Protokoll über die Verhöre führten, lassen uns heute am besten Einblick in den Alltag der Katharer nehmen. Einige wichtige Primärquellen tauchten erst im 20. Jahrhundert auf und so darf weiterhin gehofft werden.

Schwierigkeiten bereitet auch das heute vorhandene literarische Material, denn gute Sachbücher sind selten. Seit der Romantik wurde dieses Vakuum durch allerlei Spekulatives gefüllt (später mehr dazu) und so hat man als Nicht-Historiker seine liebe Not, Wahres von Unwahrem, Spekulatives von Realem und Fiktion von Fakten zu trennen. Aufgabe dieser Seiten ist es, einen Wegweiser durch dieses Dickicht zu bieten.

Beginnen wir also mit den Ursprüngen des Katharertums.

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