Templer,
Katharer und die Weltverschwörung der Freimaurer
dieser Titel einer im Handel erhältlichen DVD zeigt: die Suche nach der okkulten Weltformel ist nach wie vor populär. Wohl kaum ein Zusammenhang erfährt seit Jahren ein solches Interesse, wie der zwischen Templern, Katharern und dem heiligen Gral. Und tatsächlich, das Wirken der Katharer hatte seinen Höhepunkt im 12./13. Jahrhundert und der Templerorden bestand von 1118 bis 1314. Eine zeitliche und räumliche Nähe ist also gegeben. Da sowohl Templer als auch Katharer in ganz Europa und insbesondere an den okzitanischen Höfen präsent waren, sind Begegnungen zwischen Mitgliedern beider Organisationen sicher eher Regel als Ausnahme gewesen und auch verwandschaftliche Beziehungen zwischen den katharischen Adelsfamilien und einzelnen Templern lassen sich nachweisen. Die wichtigste Gemeinsamkeit zwischen beiden ist jedoch ein ähnliches Schicksal: Der Orden sowie die katharische Kirche wurden jeweils durch eine unheilige Allianz zwischen Papst und König (von Frankreich) vernichtet. Daraus gleichwohl eine ideologische oder organisatorische Nähe zu schliessen, erscheint uns genauso weit hergeholt, wie der heute in der esoterischen Literatur teilweise vehement vertretene Zusammenhang zwischen Templern und den Freimaurern unserer Tage (siehe Knight/Lomas u.ä.). Wer der Überzeugung ist, dass ein mehr als nur zeitlicher Zusammenhang zwischen Templern und Katharern zwangsläufig sei, der halte sich vor Augen, daß zwischen Templern und Katharern erhebliche Gegensätze bestanden:
|
| Templer | Katharer |
Organisation | Christlicher Orden, Ritter und Kleriker | Untergrundkirche |
Stellung zum Papst |
Dem Papst direkt unterstellt |
Der Papst ist der Antichrist |
Gewalt | akzeptiert |
strikt abgelehnt gegenüber Mensch und Tier |
Aufgabe | Schutz von Pilgern im hlg. Land | Die Menschen zurück zum Licht führen |
Hierarchie | feudalistisch |
|
Vorschriften | Ordensregel (Demut,Armut, Gehorsam, Dienst) | strenge Askese, Gewaltlosigkeit |
Herkunft |
Nordfranzösische Adelige, Bernhard von Clairvaux, urkundlich belegt | nicht belegt, wahrscheinlich Bogomilen, Paulikaner |
Aufnahme |
Gelübde | Initiation |
Besitz | durch Schenkungen und Geldverleih unermesslich reich | Ablehnung von weltlichem Besitz |
In den genannten Punkten
ist ein faktischer Gegensatz zwischen Orden und Katharern also deutlich erkennbar.
Immerhin ist aber nachvollziehbar, daß die Templer sich bei den Katharerkreuzzügen
auffällig zurückhielten. Der Grund hierfür kann in den zahlreichen
nachgewiesenen familiären Bindungen des okzitanischen Adels zu Templern und
Katharern gelegen haben. Funktionieren können die Templer/Katharer-Theorien
nur dann, wenn unterstellt wird, dass der Templerorden neben seiner offiziellen
Funktion noch andere, geheime Zielsetzungen gehabt habe und es neben der christlichen
noch eine esoterische Linie innerhalb des Ordens gab. Die "Geschichtsschreibung
der Sieger" muß dann so stringent gearbeitet hat, dass Quellen zum
Nachweis des Zusammenhangs heute nicht mehr zugänglich sind. Templer und
Katharer verfügten dann über ein geheimes Wissen , das es jahrhundertelange
bewahrt zu werden wert war. So seltsam viele Vorgänge bei den Templern und
den Begleiterscheinungen zu ihrer Vernichtung auch scheinen, echte Beweise sind
für diese Geheimnisse nicht erbracht worden.
Der "Tour Magdala"
in Rennes-Le-Chateau im Midi-Languedoc: Liegt dort der Schatz der Templer/Katharer/Freimaurer?
Oder allen zusammen?
Ein
weiterer Zusammenhang, der immer wieder gern hergestellt wird: der heilige Gral
und die Katharer. Der Deutsche Otto
Rahn war in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts nicht der Erste, der die Katharer
als die Bewahrer des Grals ansah. Ursache dieses Zusammenhangs ist die sprachliche
Ähnlichkeit der Worte "Montsegur", der Ketzerburg, und "Montsalvat",
der Gralsburg im Parzival Eschenbachs. Wer den Parzival studieren möchte,
dem seien Parzival I und Parzival II von Reclam empfohlen!) Wolfram von Eschenbach
titulierte die Gralswächter im Parzival als "Templeisen", sicher
nicht zufällig. Leider lässt uns Eschenbach im Unklaren darüber,
warum er die Templer als Gralsbewacher auftraten lässt. Die Gralsbruderschaft
mit den Katharern gleichzusetzen ist ziemlich weit hergeholt, wenngleich Frauen
(als Mitglieder des Templerordens undenkbar) in Eschenbachs Epos eine Stellung
innerhalb der Gralsbruderschaft einnehmen, die schon an die vergleichsweise emanzipierte
bei den Katharern erinnert. Doch zurück zum Gral selbst: 1244 wurde vom Montsegur
in einer Nacht- und Nebelaktion kurz vor der Übergabe der Burg im Dunkel
an steilen Felswänden etwas heruntergelassen, das auf keinen Fall in die
Fänge der Inquisition gelangen durfte. Worum es sich bei diesem Schatz handelte,
ist bis heute nicht erwiesen, da sich die Katharer sofort in die unzugängliche
Ariege-/Pyrenäenregion auf machten. Gerade diese Gegend sollte dann noch
fast einhundert Jahre lang mit ihren verzweigten Nebentälern Rückzugsraum
für verfolgte Katharer sein. So waren Spekulationen Tür und Tor geöffnet,
es handele es sich bei dem Schatz um
* Goldmünzen und ähnlichem
* dem "wahren Evangelium", das nur die Katharer kennen
* anderen
heiligen Schriften, die die theologische Grundlage des Katharismus beinhalten,
z.B. gnostischen Ursprungs
* der Schale, mit der das Blut Jesu am Kreuze aufgefangen
wurde und / oder
* der Kelch, mit dem Jesus beim letzten Abendmahl den Wein
ausgeteilt haben soll
* Kinder Jesu und Maria Magedalenas, die das "echte"
Blut Christi und damit eine auf Jesus Christus gegründete Dynastie bis in
unsere Tage fortführen
* den geheimnisvollen Stein (Heiligen Gral) des
Eschenbachschen Parzivals
* die seit der Zerstörung des jüdischen
Tempels durch die Babylonier verschollene Bundeslade oder Inhalte davon
*
den seit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer verschollenen Tempelschatz
Jerusalems
Die
meisten dieser Ansichten sind Kinder und Kindeskinder der im 19. Jahrhundert in
Europa populären Romantik. Was aber moderne Schriftsteller, überwiegend
Autodidakten und nicht Historiker, nicht davon abhält, sich reichlich aus
diesen Fundus an Spekulationen zu bedienen, diese miteinander zu verknüpfen
und so neue spannende Geschichten zu erfinden. Das Ende dieser Kette bilden Romane
wie Dan Browns "Sakrileg" oder "Das
Blut der Templer", wie kürzlich im deutschen TV zu sehen. Es soll
demnach eine Geheimorganisation namens "Prieuré de Sion" geben,
die im 12. Jahrhundert gegründet worden wäre, um den Gral oder "die
Botschaft des Grals" bis in unsere Tage zu transportieren. Dieses Geheimnis
beinhaltet z.B. die o.g. Aufzählung. Die Katharer sind dabei eine Gruppe,
die gewollt oder ungewollt in den Plan dieser Geheimorganisation gepasst hätten,
genau wie Templer, Rosenkreuzer und Freimaurer. Ob man mit diesen Geschichten
den Katharern Unrecht tut, soll jeder selbst beurteilen, der historischen Wahrheit
ist damit jedoch wenig gedient. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Katharer
heutzutage ohne diese "Stories" überhaupt so bekannt geworden wären.
Zur Templer/Katharer/Freimaurer-Paranoia sei als ausgesprochen humorvoller Umgang
mit der Materie das Das
Foucaultsche Pendel von Umberto Eco empfohlen, der die hinter den Mythen stehenden
psychologischen Mechanismen benennt.
Anzeige: Kennen Sie schon Templershop.de ?
Ein weiteres Beispiel für eine schöne
Katharerlegende: Im Westfälischen, in der Nähe der Stadt Soest gibt
es in einer Anordnung von Gehöften eine kleine Kapelle, die von einigen Heimatforschern
früherer Jahre in Zusammenhang mit den Katharern gebracht wurde. Hier einige
Bilder.
Der
Eingang
Eigenartige
Säulenkreise...

Eines
der vielen seltsamen Kapitellchen, hier mit Fischdarstellung
Die Kapelle
besitzt einen achteckigen Grundriss mit einem sehr schönen, uralten Eingang
aus geschnitztem Holz. Im Inneren ist das Kirchlein, abgesehen von der Vielzahl
von Säulen, schlicht ausgestattet. Es gibt eine Holztruhe, die aus einem
Stück gearbeitet ist und wahrscheinlich aus einem wesentlichen Abschnitt
der Bauzeit (13. Jahrhundert) stammt. Am Auffälligsten jedoch sind die Säulen.
Obwohl wenig Platz für architektonische Spielereien war, gibt es im Zentrum
vier sehr dicke Säulen (genauer: 2 + 2), die von zwölf schlanken Säulen
im Kreis umgeben sind. Kurioserweise ist die Apsis (Altarraum) nicht zum Zentrum
des Baus hin ausgerichtet. Die Blickrichtung streift den inneren Säulenkreis
tangential.
Obwohl sich der dualistische Charakter der Anlage aufdrängt
und ein wesentlicher Bauabschnitt zeitlich in die Katharergeschichte passt, ist
der Zusammenhang mit den Katharern doch sehr konstruiert. Ein Argument, das die
Vertreter der Katharer-Legende eindeutig widerlegt, ist die Tatsache, dass die
Katharer Kirchenbauten entschieden ablehnten. Wenn man sich mit der katharischen
Dogmatik befasst, dann sind Ausnahmen nicht möglich. Der quasi in Stein gemisselte
Gegensatz zwischen Katholizismus und Katharertum sind die gotischen Kathedralen
Europas, die zur Zeit der Katharerkreuzzüge ihre Hochzeit erlebten und von
den Katharern als weltlicher Tand verspottet wurden. Da Gott nicht in der vom
Gegenspieler geschaffenen materiellen Welt zu finden sein konnte, machten Steinbauten
als Anbetungshäuser, wenn man Kirchen mal darauf reduziert, keinen Sinn.Die
Katharer feierten ihre Gottesdienste in Häusern, Höhlen oder unter freiem
Himmel. Das war einer der Gründe, warum die Katharer für die katholischen
Häscher während der hundert Jahre der Verfolgung so schwer greifbar
waren.
Interessanterweise wird die Drüggelter Kapelle sowohl im Volksmund,
wie auch von einigen Autoren "Heidentempel" genannt, was interessante
Vermutungen ganz anderer Herkunft zulässt. Ein Bauherr in der spätmittelalterlichen
Bauphase, wahrscheinlich ein adliger Kreuzzügler, wird wohl eher katholischer
Christ gewesen sein, denn wer sonst sollte sich im 12. Jahrhundert aktiv an einem
Kreuzzug zur "Befreiung Jerusalems" beteiligt haben. Erwiesen ist diese
Bauherrenschaft jedoch nicht, wie so vieles im Zusammenhang mit der Drüggelter
Kapelle. Der Zusammenhang mit den Katharern entstand zu einer Zeit, als viele
Heimatforscher "die Flöhe husten hörten". Romantik und Historie
durften da noch Hand in Hand gehen... Es gibt Forscher, die legen die Entstehungszeit
der Drüggelter Kapelle in das achte Jahrhundert! Und selbst da soll sie auf
den Fundamenten eines noch älteren heidnischen Tempels entstanden sein. Weitere
Theorien sehen die Drüggelter Kapelle als mögliche Kopie der berühmten
mittelalterlichen Jerusalemer Grabeskirche, von der es heute leider nur noch Rekonstruktionen
virtueller Art gibt.
Würde diese Kapelle in Süd-Frankreich liegen,
wäre sie mit ihrer außergewöhnlichen Architektur eine Attraktion,
in Deutschland ist sie kaum bekannt.
katharer.de | email: info@katharer.de | Gestaltung und Konzeption von itspro